Verfasst am: 20.03.2007, 15:19
Titel: Zweimonatiges Praktikum im Kalari Wolfstein
Zweimonatiges Praktiktum im Kalari Wolfstein
Mein Praktikum im Kalari Wolfstein August 06-Oktober 06: Eine sehr lehrreiche, intensive und sehr, sehr schöne Zeit!
Was erwartet einen Praktikanten im Kalari Wolfstein/Midgard Kalari? Mit Sicherheit keine Langeweile jedenfalls!!!
Mein Tätigkeitsspektrum war sehr weit gefächert:
Massieren, Zubereiten von Kashyams, Ölkochen, beim Kochen helfen, Markus bei Behandlungen assistieren (sehr beeindruckend!), Waschen, Spülen (Die Abwaschgebirge wurden ja bereits vielfach erwähnt, deshalb geh‘ ich hier gar nicht weiter 'drauf ein), Kinder spazierenfahren, an Kursen als Teilnehmer dabei sein, einkaufen, Kizhibeutel binden, Hunde einfangen, Kalarippayat trainieren und und und.
Ergebnis: Man taucht wirklich ein in diesen Ayurveda/Kalari-Behandlungskosmos und das ist sehr gut so. Man lernt intensiv, sowohl menschlich-interaktiv als auch fachlich!
Ich selbst hatte vor dem Aufenthalt im Kalari Wolfstein bereits 4 Jahre als Ayurvedamasseurin (v.a. im Wellnessbereich) gearbeitet, kannte einige nordindische Verfahren, war bereits zweimal in Indien gewesen und hatte auch auf theoretischer Ebene (Medizinsystem Ayurveda) solide Vorkenntnisse. Dennoch (oder vielleicht auch gerade deshalb? Egal!) wurden mir manche Zusammenhänge erst in vollem Umfang klar, nachdem ich Markus‘ Sicht dazu gehört hatte. Da ist mehr als nur einmal wirklich „der Groschen gefallen“ (und wie ich in den Kursen miterlebte, ging es da nicht nur mir so!). Das manchmal etwas verwirrende Wissens-Sammelsurium in meinem Kopf wurde strukturierter und vor allem viel, viel anwendungsorientierter. Markus hat eine besondere Begabung, komplexe Zusammenhänge in klaren und verständlichen Worten (und mit viel Humor!) darzustellen, ohne dabei zu stark zu vereinfachen, oder wichtige Aspekte auszuklammern. Was bringt es einem, wenn man 1000 Ideen zu Malas, Ama, Shrotas etc. im Kopf hat, aber keine Ahnung wo man konkret anfangen soll, wenn ein Patient mit vielen unterschiedlichen Problemen, chronischen Zipperlein usw. zu einem kommt. Markus schärft hier den Blick soweit, dass ein fundiertes Behandlungskonzept entwickelt werden kann: Warum wird Problem x als erstes behandelt? Was tun, wenn der Patient nicht den Geldbeutel für eine lange Ama-Ausleitung, Panchakarmakur etc. hat (=eben Vorgehensweisen, die viele klassische Ayurvedaärzte in ihren Ausbildungen lehren!). Steht das hier überhaupt an? Was für Kräuter gäbe es z.B. neben Komplexmitteln aus Indien? Etc. etc.
Dann ist es natürlich toll, das Gelernte auch gleich vor Ort anwenden und beobachten zu können!!! Sowohl an Patienten als auch am eigenen Leib! Spannend zum Beispiel, wie schnell bei mir ein Pitta-Überschuss ausgelöst werden konnte, allein durch die Arbeit an Patienten mit stark erhitzenden Ölen (z.B. Karpasathyadi Thailam). Oder dass Markus mit einer (!) Behandlung einen seit drei Wochen schmerzenden Kiefer wieder ins Lot brachte!
Auch für‘s Massieren habe ich durch die neuen Informationen und Erfahrungen (Kalarimassagen!) und die Körper- und Atemübungen (Kalarippayat) immens profitiert, was ich von Kunden/Patienten auch als Feedback bekomme. Um mich mit dem Kizhibeutel gänzlich sicher zu fühlen, muss ich allerdings noch ein bisschen üben (und vermutlich nochmal wiederkommen....

).
Sehr beeindruckt hat mich außerdem: Obwohl Markus und Usha (mit schier unglaublicher Energie!) täglich ein großes Arbeitspensum zu meistern haben, waren beide trotzdem für uns Praktikanten immer ansprechbar. Es war sehr schön zu spüren, dass sie ihren Schülern/Praktikanten WIRKLICH etwas beibringen wollen! Und manches lernt man lustigerweise quasi nebenbei, ohne es richtig zu bemerken. Zum Beispiel werde ich seit dem Sommer ständig auf meine Kochkünste angesprochen....ich habe durch's Zusehen viel von Usha übernommen, einfach noch mehr Gespür und Anregungen für das Kombinieren von Gewürzen und Speisen bekommen. Sehr toller Nebeneffekt:-). Von vielen guten Gesprächen ganz abgesehen!!!! (Usha hat die bemerkenswerte Fähigkeit, Gedanken lesen zu können und sofort zu begreifen, wie es dem Gegenüber gerade geht!!)
Grundsätzlich gilt: Wer nur zum Wissen „konsumieren“ kommt, und sich zu gut ist, auch mal einen Besen in die Hand zu nehmen, wird vielleicht enttäuscht sein, jeder andere geht aber mit vollem Hirn und Herz wieder heim. Hin und wieder kam von einem Kursteilnehmer ein Kommentar(Außenansicht) a la „ihr Armen, so viel Arbeit die ganze Zeit“. Aber das geht völlig am Kern vorbei, denn tatsächlich ist die Lernzeit ein stetiges Geben und Nehmen gewesen! Markus und Usha sind sehr großzügige Menschen und auf Gerechtigkeit und Ausgleich bedacht. Selbstverständlich ist es wichtig, dass „der Laden läuft“ und die anstehenden Arbeiten alle getan werden. Aber im Kalari wurde dabei zusammen gearbeitet und es wurde versucht, alles so einzuteilen, dass jeder auch Auszeiten hat/haben kann, wenn er sie benötigt (oder dann, wenn es eben möglich ist, wenn z.B. ein Kurs vorbei ist usw.). An ruhigeren Tagen hatten wir dafür oft Zeit, alle gemeinsam ausgiebig zu frühstücken, für Lagerfeuer usw.

(An diesers Stelle auch ein herzlicher Gruß an die anderen „Wolfsteiner“, die dieses Miteinander während meines Praktikums möglich machten: Markuspraktikant, Matt, Franzi und am Ende auch Kerstin!).
Ebenfalls sehr schön: Der Austauch der mit anderen Ayurvedapraktizierenden (= Seminarteilnehmern) zustande kam über gemeinsames Essen, Spülen oder eigene Teilnahme an den Kursen (genial: Kalarippayat-Seminar, Dravyaguna-Seminar!!!).
Fazit: Wer im Kalari Wolfstein (Midgard Kalari) Praktikum macht, muss Offenheit mitbringen und die Bereitschaft, sich in einen sehr dichten Arbeitsalltag einzufügen, nimmt aber auch unglaublich viel Wissen, viele Impulse und schöne Erinnerungen mit nach Hause!!
Bevor hier noch eine weitere Liebeserklärung zustande kommt (siehe Markus-Praktikant-Loki;-) -->Ich kann mich da in vielen Punkten nur anschließen!!!), behalte ich alle weiteren Schwärmerein für mich....und wünsche euch, Markus und Usha + Familie, die ihr mir so lieb geworden seid, ALLES, ALLES GUTE WEITERHIN!!!
Ich freue mich auf ein baldiges Wiedersehen!
Sylvie